Neues Dorfzentrum für Mamer
Aus dem Sitzungsbericht des Mamer Gemeinderates vom 13. Juli 2009:
1. Mise en valeur du centre de Mamer:
a) présentation du concept par les bureaux Zeyen + Baumann, Atelier d’Architecture Jim Clemes,
Schroeder & Associés et M. Fernand Pesch;
b) décision de principe de soumettre la modification ponctuelle du PAG à l’avis de la Commission
d’Aménagement auprès du Ministère de l’Intérieur et de l’Aménagement du territoire;
c) décision de principe de procéder à un appel d’offres public avec concours d’architecte.
Der erste Punkt der Tagesordnung befasse sich mit der Neugestaltung und der Revitalisierung des Zentrums von Mamer.
Bürgermeister Gilles Roth (CSV) stellt anschließend die Fachleute vor, die das Projekt des Ortskerns von Mamer erläutern werden: Chantal Zeyen vom Büro Zeyen & Baumann, Jean Luc Weidert und Marco Feider; vom Büro ”Schroeder & Associés”; Architekt Jim Clemes und Fernand Pesch, unabhängiger Berater.
Chantal Zeyen betont einleitend, dass sie in ihrer Planung darauf bedacht sei, den langjährigen Kern der Ortschaft auch als Zentrum zu behalten und weiter zu entwickeln. Der Park Brill solle ausgebaut werden, so dass Ausläufer davon bis in den Ortskern reichen, den sie so gestalten wolle, dass er zu einer Wohlfühloase werde. Diese müsse vernetzt werden mit dem Bahnhof, wo täglich zahlreiche Bürger ankommen, die das Ortszentrum durchqueren, um zu ihrem Wohnviertel zu gelangen.
Sie habe die öffentlichen Gebäude sowie die Immobilien, die im Besitz der Gemeinde sind, aufgelistet. Die Tatsache, dass die Gemeindeverwaltung in der Vergangenheit Immobilien im Ortszentrum erworben habe und gleichzeitig Besitzerin von öffentlichen Gebäuden sei, erleichtere die Planung. Es sei wichtig Parkraum zu schaffen, damit die Kunden der neuen Geschäfte, einer Gaststätte mit Terrasse sowie die Bewohner der Apartments über Abstellplätze für ihre Fahrzeuge verfügen.
Das Parking werde in einer Tiefgarage eingerichtet. Es werde auch versucht die ”Rue du Commerce” über die ”Rue du Millénaire” an den Ortskern anzubinden, so dass man als Einzugsbereiche den Bahnhof und die ”Rue du Commerce” habe.
In dem neu gestalteten und verkehrsberuhigten Ortskern sollten die Fußgänger Vorrecht genießen und es sollte möglich sein, hier Veranstaltungen jeder Art zu organisieren, so dass sich der Ortskern nach und nach zu einer Begegnungszone entwickle, wo die Bürger sich wohl fühlen und gerne verweilen.
Architekt Jim Clemes erläutert die architektonischen Aspekte und erklärt, dass 32 Wohnungen mit insgesamt 2.854 m2 Wohnfläche geplant seien; die Geschäfte werden über 1.233 m2 verfügen.
Jean-Luc Weidert stellt das Verkehrskonzept vor und erklärt, dass die Aussichten gut seien, die Geschwindigkeit im Ortszentrum generell auf 30 km/h begrenzen zu können. Er habe festgestellt, dass die Verwaltung der ”Ponts et Chaussées” nicht abgeneigt sei, diesem Vorschlag zuzustimmen.
Das zweigeschossige unterirdische Parking begreife 200 Stellplätze, wovon deren 12 als Behindertenparkplätze ausgewiesen seien. Im Ortszentrum sollten Fußgänger und Autos als gleichberechtigte Verkehrsteilnehmer gelten. Man habe auch an Maßnahmen gedacht, die verhindern werden, dass der Ortskern als Schleichweg benutzt werde. Im Zuge der Planung müsse auch an die unterirdischen Infrastrukturen wie die Kanalisation, das Gasnetz und die Wasserversorgung gedacht werden.
Marco Feider erklärt, dass der Kostenpunkt des unterirdischen Parkings mit 200 Stellplätzen sich voraussichtlich auf 8.750.000 Euro belaufen werde.
Fernand Pesch weist darauf hin, dass seiner Meinung nach die Ortschaft Mamer über drei Zentren verfüge: das Gebiet um den Tossenberg mit dem Lycée Josy Barthel und der Europaschule; der Schulcampus Kinneksbond mit dem Kulturzentrum; den Ortsteil worüber die Gemeinde sich zurzeit Gedanken mache bezeichne er als historisches Zentrum.
Die Gemeinde sei Eigentümerin des Areals, wo bis vor kurzem die Jean Marx-Schule stand und er rate zum Kauf des Postgebäudes, um die zur Verfügung stehende Fläche zu vergrößern.
Für den Verlauf des Wettbewerbs unter Architekten schlage er eine Prozedur vor, die in zwei Phasen ablaufen werde. In der ersten Phase solle man 5 Kandidaturen mit Promotoren zurückbehalten unter Berücksichtigung der Garantien, die sie zu bieten haben. In der 2. Phase solle man sich dann für ein Projekt entscheiden. Sämtliche Etappen sollten von einem so genannten ”Groupe de pilotage communal” begleitet und überwacht werden.
Bürgermeister Gilles Roth (CSV) erklärt, dass die Neugestaltung des Ortskerns und dessen Revitalisierung in der Schöffenratserklärung dargestellt seien und er sei zufrieden, dass Bewegung in dieses Dossier gekommen sei. Auf dem Gelände der ehemaligen Jean Marx-Schule, das 25 Ar groß sei, habe man Geschäfte und Wohnungen sowie das bereits beschriebene unterirdische Parking geplant.
Um das Projekt zu finanzieren greife man auf investitionsbereite Betreiber der Geschäfte zurück sowie auf den Verkauf der Wohnungen.
Gemeinderat JemP Weydert (Déi Greng) weist darauf hin, dass man bereits zehn Jahre auf das Projekt für die Neugestaltung und Revitalisierung des Ortskerns warte. Aus den expliziten Darlegungen der Fachleute habe man erfahren, was die Absichten des Schöffenrates seien. Es sei ihm aber nicht klar, wie der Zugang zum Gemeindehaus aussehen solle und er schlage vor, überirdische Parkplätze für Behinderte und für Leute zu schaffen, die auf die Schnelle etwas in einem der Geschäfte zu erledigen haben. Er frage sich, ob die große Baustelle, die im Ortskern entstehen werde, das Funktionieren des Jugendhauses nicht störe. Die Erläuterungen hätten sehr gut geklungen, aber er bleibe skeptisch und sei der Meinung, dass vieles in der Planungsphase verbleiben werde und nie zur Ausführung komme. Er möchte aber, dass Strukturen für betreutes Wohnen sowie Behindertenwohnungen geschaffen werden.
Gemeinderat Fred Klopp (DP) ist zufrieden, dass nach einer 10-jährigen Wartezeit die Projekte vorgestellt worden seien. Zurzeit bestehen dieselben aus Absichtserklärungen und zahlreichen Ideen und er denke, dass später mehr Einzelheiten mitgeteilt werden, wenn es um den allgemeinen Bebauungsplan oder den PAG gehe. Gemeinderat Roland Trausch (LSAP) beglückwünscht den Schöffenrat für die Vorstellung der Möglichkeiten, die sich im Rahmen einer Neugestaltung und Revitalisierung im Ortszentrum von Mamer bieten. Das Projekt sei im Koalitionsabkommen vorgesehen und durch den Erwerb verschiedener Immobilien im Laufe der Jahre habe der Schöffenrat ganz gezielt auf die Neugestaltung und Revitalisierung hingearbeitet. Es sei richtig, dass im Ortskern neue Wohnmöglichkeiten geschaffen werden und dass auch wieder Geschäfte sich hier ansiedeln. Er trete für die Schaffung oberirdischer Parkplätze ein, die für den Geschäftsbetrieb von größter Wichtigkeit seien. Er finde es nicht richtig, die ”Rue du Marché” und die ”Rue Josy Barthel” für den Verkehr zu schließen; es sei schon begrüßenswert, wenn das Verkehrsaufkommen und der Durchgangsverkehr auf ein Minimum reduziert werden, man solle aber den Bürgern den Zugang zum Zentrum nicht unnützerweise erschweren. Er schlage den Erwerb des Postgebäudes vor, aber der Schöffenrat solle dafür sorgen, dass ein neues Postbüro in eine der neu zu erbauenden Immobilien integriert werde. Voraussichtlich werde in Zukunft kein Pfarrer mehr in Mamer wohnhaft sein und man müsse klären, was mit dem jetzigen Pfarrhaus, das nicht durch eine erhaltenswerte Architektur auffalle, geschehen soll. Die LSAP unterstütze das Vorhaben zur Neugestaltung und Revitalisierung des Ortskerns.
Gemeinderat Luc Feller (CSV) dankt den Fachleuten für die übersichtliche und engagierte Darstellung der Pläne. Das vorgestellte Projekt reihe sich in der Kontinuität der Politik ein, welche die CSV seit 9 Jahren im Bereich der Dorfentwicklung der Gemeinde gemacht habe. Die zahlreichen Investitionen, die seit dem Jahr 2000 getätigt worden seien, belegen, dass man bestrebt sei, für jeden Lebensbereich optimale Bedingungen zu schaffen. Er erinnere unter anderem an das CIPA, den Schul-, Sport- und Kulturkomplex auf dem Campus Kinneksbond mit seinen Betreuungsstrukturen sowie an das Jugendhaus in Mamer. Verschiedene Gemeinderatsmitglieder der Opposition hätten diese Investitionen zwar auch gewollt, seien aber nicht bereit gewesen diese von Anfang an zu unterstützen, sondern seien erst im Laufe der Jahre auf den fahrenden Zug aufgesprungen. Die geplante Aufwertung des Dorfzentrums in Mamer sei die Weiterführung der Investitionspolitik der Vergangenheit. Man werde so verschiedene Komponenten – Wohnen, Einkaufen, Freizeit und gegebenenfalls auch Arbeit – an einem Ort miteinander verbinden. Es handelt sich also um ein Projekt welches sich aus der Vergangenheit heraus ergibt und welches neue Zukunftsperspektiven für die Ortschaft Mamer biete. Man sei sich bewusst, dass noch zahlreiche Detailfragen zu lösen und die Finanzierung zu diskutieren seien. Es werde aber alles in allem eine verbesserte Lebensqualität geschaffen und die CSV-Fraktion unterstütze das Projekt.
Gemeinderat Alfons Schmid (CSV) gibt zu, dass man bereits vor 10 Jahren über ein solches Projekt geredet habe, aber die Durchführung sei erst möglich geworden nachdem der Schulbetrieb auf dem Campus Kinneksbond angesiedelt wurde. Die Neugestaltung verlange neue Infrastrukturen und neue Immobilien; die Revitalisierung verlange, dass man das Zentrum wieder belebe und das erreiche man durch eine wohl überlegte Mischung von Wohnungen und Geschäften. Man müsse zuerst ein Gesamtkonzept erstellen, um über die Finanzierung reden zu können. Man solle schrittweise vorgehen und die kommunalen Kommissionen, die zuständig sind für Verkehr, Bauten und Umwelt um Gutachten ersuchen.
Gemeinderätin Edmée Besch-Glangé (Déi Greng) schlägt das Anlegen von mehreren Frauenparkplätzen im ersten Untergeschoss der Tiefgarage vor. Gemeinderat Fernand Kirch (DP) dankt den Fachleuten für die Vorstellung und fragt sich, was die Architekten noch bei einem Wettbewerb eigentlich zu tun haben, da das gewünschte Konzept bereits festgelegt sei. In der Schöffenratserklärung des Jahres 2005 sei der Wettbewerb unter Architekten bereits für 2006 in Aussicht gestellt worden und jetzt schreibe man bereits das Jahr 2009. Wegen der Zunahme älterer Mitmenschen in der Bevölkerung schlage er Seniorenwohnungen vor, die nach dem System des betreuten Wohnens funktionieren sollten. Als das CIPA geplant worden sei, habe das Durchschnittsalter der Menschen, die in ein Seniorenheim übersiedelten, 78 Jahre betragen; heutzutage liege dasselbe bereits bei 81 Jahren und die Tendenz möglichst in den eigenen Räumen zu leben sei steigend. Er sei der Meinung, dass die Gemeinde die soziale Verpflichtung habe, älteren Mitbürgern Möglichkeiten zum betreuten Wohnen anzubieten. Deshalb schlage er vor, in Zusammenarbeit mit dem staatlichen ”Fonds du logement” Wohnungen für betreutes Wohnen im Ortszentrum zu schaffen. Die Größe der Wohnungen, die im Durchschnitt bei 80 m2 liege, sei ideal für ältere Mitbürger, die vom betreuten Wohnen profitieren wollen.
Gemeinderat Fred Klopp (DP) betont, dass auch die Demokratische Partei sich dafür einsetze, dass ein Postbüro in Mamer weiter funktioniere. Die DP habe das Schulprojekt Kinneksbond und den Bau des CIPA unterstützt; wenn das definitive Projekt für die neuen Schul- und Betreuungsstrukturen in Capellen vorliege, nehme die DP auch eine positive Stellung zu diesem Projekt ein. Man verwehre sich gegen die Aussage von Rat Luc Feller, dass man auf einen Zug aufspringe, den man längst selbst genommen habe.
Gemeinderat Luc Feller (CSV) zeigt sich erstaunt über die Stellungnahme von Rat Fred Klopp, da die DP in der Vergangenheit anders reagiert habe.
Bürgermeister Gilles Roth (CSV) verweist darauf, dass er dem Gemeinderat seit 15 Jahren angehöre. 1994 sei bereits der Bau einer neuen Schule in Mamer vom Schöffenrat angekündigt worden, aber die Gemeinde habe damals weder über geeignetes Bauland verfügt noch erwerben können. Es freue ihn, dass die Gemeinderatsmitglieder der Investitionspolitik des Schöffenrates zustimmen, der von Anfang an eine Neugestaltung des Ortszentrums angestrebt habe. Der jetzige Schöffenrat habe in weiser Voraussicht nach und nach Immobilien erworben, die notwendig seien für eine Neugestaltung des Zentrums von Mamer. Er hoffe auf Einstimmigkeit im Gemeinderat, um das Projekt weiterführen zu können. Er könne nicht versprechen, dass betreute Wohnungen geschaffen werden, da im CIPA bereits 80 Betten für Bürger aus der Gemeinde Mamer reserviert seien. Er wolle keine Alterskategorie bevorzugen, schließe aber nicht aus, dass durch eine Privatinitiative betreute Wohnungen geschaffen werden könnten. Das unterirdische Parking stelle eine gute Lösung dar; von den 200 Stellplätzen müsse man deren 2 pro Wohnung abrechnen und die Betreiber der Geschäfte müssten ihren Kunden auch Parkplätze garantieren können. Das Funktionieren des Jugendhauses sei auch während der Arbeiten im Interesse der Neugestaltung und Revitalisierung garantiert; er verweise darauf, dass zurzeit 70 Jugendliche im Jugendhaus eingeschrieben sind. Über die Zukunft des Pfarrhauses, das wahrscheinlich nicht mehr bewohnt werde, müsse man nachdenken.Im Rahmen der Rationalisierungsmassnahmen des Postunternehmens werde das Postbüro in der jetzigen Form nicht weiterbestehen, aber er bemühe sich darum, dasselbe in einen eventuellen Supermarkt zu integrieren.
Schöffe Roger Negri (LSAP) erklärt, dass er mit dem vorliegenden Projekt einverstanden sei, das in den vergangenen Jahren viel Einsatz von den Fachleuten abverlangt habe. Er trete dafür ein, dass der ganze Gemeinderat weiter geschlossen und einvernehmlich an der Neugestaltung und im Interesse einer Revitalisierung des Ortskerns von Mamer arbeiten solle.
Gemeinderat Fred Klopp (DP) möchte, dass etwas im Interesse des betreuten Wohnens unternommen werde, da es gelte, das Gleichgewicht zu halten. Schöffe Marcel Schmit (CSV) erklärt, dass festgestellt wurde, dass das Konzept des betreuten Wohnens nicht mehr so gut funktioniere wie in den Anfangszeiten. Aus eigener Erfahrung wisse er, dass ”Hellef doheem” und eine gut funktionierende Tagesstätte die Lösung seien, um ältere Mitbürger so lange wie möglich in ihren eigenen vier Wänden zu belassen. Jean-Luc Weidert, vom Studienbüro ”Schroeder & associés”, erklärt, dass das Verkehrskonzept eine langfristige Vision darstelle und man müsse wissen, dass im Zentrum auch Fußgängerwege vorgesehen seien und dass überirdische Parkplätze durchaus möglich seien.
Bürgermeister Gilles Roth (CSV) betont, dass er jetzt nach eineinhalb Stunden Diskussion auf die Zustimmung des ganzen Gemeinderates hoffe. Er weise aber darauf hin, dass der Schöffenrat den Wettbewerb unter Architekten auch habe ausschreiben können ohne die Zustimmung des Gemeinderates. Der Punkt ”Mise en valeur du centre de Mamer” wird einstimmig gutgeheißen.
Quelle:
http://mamer.sigiweb.lu/UserFiles/mamer/File/pdf/gemengebuet/2009/Gemengebuet_07_2009.pdf
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